4.jpg6.jpg13.jpg2.jpg9.jpg8.jpg7.jpg10.jpg14.jpg3.jpg12.jpg5.jpg15.jpg1.jpg11.jpg

Fundstücke & Informationen aus dem Kreisarchiv

MAI 2015 - Bodenständig standhaft

Zum zweiten Landrat des Kreises Mühlhausen nach dem Zweiten Weltkrieg

Rudolf Walter Paul Richard Janson war der zweite Landrat des Kreises Mühlhausen nach dem Zweiten Weltkrieg. Eingesetzt wurde er von den Amerikanern am 14. April 1945. Bereits am 12. August des selben Jahres wurde er von der Sowjetarmee wieder abgesetzt. Janson war 120 Tage im Amt. Er war Landwirt und besaß Erfahrung als Bürgermeister von Höngeda und diente als Verwaltungsbeamter bei der Wehrmacht.

Rudolf Walter Paul Richard JansonPolitisch galt der Landwirt aus Höngeda als deutsch-national. Die Deutschnationalen engagierten sich für die Bewahrung von Werten und politischen Grundsätzen aus der Kaiserzeit vor dem Ersten Weltkrieg. Diesen Grundsätzen blieb Janson treu unter den Nationalsozialisten und den Stalinisten. Janson drehte sein Fähnchen nicht in den Wind. Er blieb national-konservativer Landwirt. Dafür musste er büßen vor und nach 1945.

Jansons Persönlichkeit und sein Lebenslauf zeigen, wie es Menschen ergeht, die zwischen zwei politischen Extremen auf ihrer eigenen Wahrheit beharren.

Janson wurde am 7. Mai 1888 in Langula geboren. Er entstammt einer alten Bauernfamilie. Die Jansons stammen ab von einem schwedischen Militär-Pferdearzt, der sich im Dreißigjährigen Krieg in Höngeda eine neue Heimat schuf.

Janson engagierte sich in der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei, genannt Landvolk. Diese Partei war eine Abspaltung der Deutschnationalen Volkspartei. In der Landvolkpartei fanden sich ehemalige Mitglieder der Deutschnationalen, denen die Annäherung ihrer Parteiführung an die Nazis nicht gefiel. Die Deutschnationale Volkspartei löste sich 1933 freiwillig auf. Ihre Reichstagsabgeordneten traten über zur Fraktion der NSDAP.

Die Landvolkpartei sah sich selbst als Partei der Landwirte. Janson vertrat die Landvolkpartei als Fraktionsvorsitzender im Kreistag von 1918 bis 1933. In dieser Zeit engagiert er sich ehrenamtlich als Vorsitzender des Kreisausschusses und als stellvertretender Landrat. Von 1918 bis 1934 war Janson gewählter Bürgermeister von Höngeda.

Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich Jansons politisches Leben. Als Bürgermeister von Höngeda bat er 1934 den Landrat, ihn von seinem Amt als Bürgermeister zu entbinden. Janson erklärte, er könne kein Bürgermeister im Sinne der Nazis (NSDAP) sein. Der Landrat lehnte ab. Zurzeit stehe kein geeigneter Nationalsozialist als Bürgermeister zur Verfügung.

„Da ich immer mehr in offener Art meine gegensätzliche Einstellung zur NSDAP zum Ausdruck brachte, wurde ich am 1.7.1934 meines [Bürgermeister]Amtes enthoben", erklärte Janson später.

Ein Jahr danach wurde Janson verhaftet, weil er den Hitlergruß verweigerte. Er hielt diesen Gruß für „undeutsch". Nach der Haft stand Janson unter Aufsicht der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Nach anfänglichem Zögern nahm er eine Beamtenstelle in der Wehrmacht an, um vor dem Zugriff der Gestapo besser geschützt zu sein. Bis Kriegsende blieb Janson in Mühlhausen als Heeres-Verwaltungsbeamter. Er diente als Stabszahlmeister.

Im Frühjahr 1945 befreite die US-Armee Thüringen vom Nationalsozialismus. Der zuständige amerikanische Kommandant berief zunächst den Sozialdemokraten Hugo Haase zum Landrat. Als bekannt wurde, dass Haase aus der Kirche ausgetreten war, setzten die Amerikaner Haase ab und ernannten Janson zum Landrat. Ab Frühsommer 1945 besetzte die Sowjetarmee Thüringen. Der deutsch-nationale Janson wurde abgesetzt und Haase bekam sein Amt wieder. Vom Schreibtisch im Landratsamt weg wurde Janson verhaftet.

Da ihm kein Vergehen nachgewiesen werden konnte, wurde Janson wieder frei gelassen. Kurz darauf kam die Vorladung nach Mühlhausen zum Sowjetischen Geheimdienst (GPU). Ihm wurde vorgeworfen, für die USA zu spionieren, Großbauer zu sein und Bauern anzuführen. Dazu kam der Vorwurf, er sei ein Militarist und Reaktionär.

Am 8. Januar 1947 wurde Janson erneut verhaftet. Er war inhaftiert in Mühlhausen und in Erfurt auf dem Petersberg. Schließlich wurde Janson in Weimar/Buchenwald vor ein Militärtribunal gestellt. Durch wochenlange nächtliche Verhöre und Gehirnwäsche brach er körperlich und geistig zusammen. Innerhalb von 83 Tagen verlor er 40 Kilogramm Körpergewicht. Am 1. April 1947 wurde Janson total erschöpft nach Hause entlassen.

In den folgenden Jahren wurde die Familie ständig schikaniert. Der landwirtschaftliche Betrieb mit 35 Hektar Größe konnte das hoch angelegte Abgaben-Soll nicht erfüllen. Deshalb wurde Janson mehrmals zu den Erfassungsstellen bestellt. Am 2. März 1953 kam die Vorladung zur Kriminalpolizei wegen Wirtschaftsvergehen. Darauf stand Freiheits- und Vermögensentzug.

Die Familie Janson flüchtete in den Westen. Als gebrochener Mann starb Janson drei Monate nach dem Tod des Sohnes im Sommer 1967 in Reichelsheim im Odenwald.

 

Michael Zeng

 

Zu den Quellen:
Um den Fluss des kurzen Textes nicht zu stören, haben wir auf Quellenangaben im Text verzichtet. Alle verwendeten Quellen sind jedoch im Kreisarchiv einsehbar. Benutzt haben wir für obigen Text:
einen Lebenslauf von Janson, den seine Tochter 1992 dem Landratsamt Mühlhausen übergab;
ein „Bericht" von 1946 über den „Landwirt Rudolf Janson aus Höngeda" mit dem Vorwurf, er sei ein Militarist und Reaktionär und schließlich
die Stellungnahme Jansons zu dem im „Bericht" erhobenen Vorwurf von 1946.
Das Datum der fotografischen Aufnahme ist nicht bekannt.

 

Vielen Dank wie immer an Herrn Mock, der die Archivalie ins Internet bringt.

Joomla templates by a4joomla