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OKTOBER 2012 - Tokayer im Dienst

Im Jahre 1891 erschien in Berlin ein Büchlein namens "Die Bekämpfung der Schadenfeuer. Taktische Regeln für die Brandstelle" von C. Krameyer. Die preußischen Feuerwehren bekamen einen Leitfaden für´s Feuerlöschen in die Hand. Bereits im Jahr 1816 gründete das Königreich Preußen die Landkreise Mühlhausen und Langensalza. Ab 1891 konnten unsere preußischen Vorfahren nun nachlesen, wie Feuerlöschen preußisch funktioniert. Ein Benutzer des Kreisarchivs hat uns auf dieses Büchlein aufmerksam gemacht.

Nun sind Regelwerke zum Brandschutz oder zur Brandbekämpfung meist trockene Lektüre. In der GUV-I 560 GUV-Information "Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz" von 2006 lauern Satz-Ungetüme wie: "Die Klassifizierung mancher Isolier- und Dämmstoffe zu den jeweiligen Baustoffklassen lässt in Einzelfällen erkennen, dass die Prüfbedingungen mit der praktischen Anwendung durchaus nicht immer verglichen werden können, wie die nachfolgende Schilderung einer falschen Beurteilung des Brandverhaltens aufgespritzter Schaumstoffe für Isolierzwecke zeigt." (Seite 33)

Autor Manfred Stöffker lässt aber auch Lebensweisheit einfließen: "Bei Jugendlichen reicht erfahrungsgemäß die Unterweisung nicht aus, um ihr Verhalten verlässlich mit den Sicherheitsmaßnahmen in Einklang zu bringen." Aus dieser Erkenntnis heraus werden harte Urteile gefällt: "Die Gefahrstoffverordnung enthält aus diesem Grunde Beschäftigungsverbote." (Vgl. Seite 55)

Hoffentlich begreifen Feuerwehrleute im lodernden Brandfall den letzten Satz des Brandbekämpfungsplanes: "Wo der Einsatz der Feuerwehr nicht in besonderen Plänen mit der Feuerwehreinsatzleitung festgelegt ist und die Feuerwehr weder diese Pläne noch die Schlüssel der im Brandfall zu öffnenden Türen oder Tore verwahrt, müssen Einweiser für die anrückende Feuerwehr gestellt werden, welche die betrieblichen Gegebenheiten genau kennen." (Seite 100) Mehr Infos unter www.dguv.de/publikationen.

Uff! Nach diesem Einsatz unserer Gehirnmuskeln gönnen wir uns einen Blick in die "taktischen Regeln für die Brandstelle" von 1891. Die Regeln geben nämlich auch Ratschläge für das Verhalten der Feuerwehrleute nach dem Sieg über das Feuer.

Nach der Rückkehr zur Feuerwache müssen zuerst alle Geräte wieder bereit gemacht werden, "sodann sollen die Mannschaften sich wieder kräftigen". Hier stellt der Autor fest, die beste Erholung bringe ein "gehöriger" Schlaf. Der "abkömmliche Theil" der Mannschaft nehme ein warmes Bad mit nachheriger kalter Douche.

Warmes Bad und kalte Dusche zur Abhärtung. Na ja. Aber jetzt wird’s gemütlich, jetzt kommt´s aus dem Herzen. Die Empfehlung lautet "Einige Glas medizinischer Tokayer, ein Schälchen Honig oder ein Quantum echtes Bier und nachher ein Tartarbeefsteak und eine Tasse schwarzer Kaffee haben uns meistens wieder auf die Beine geholfen."

Wenn ungarischer Dessertwein, Bier, Bohnenkaffee und Rinderhackfleisch mit Ei nicht mehr helfen, werden stärkere Mittel empfohlen: "Sind die Augen aber sehr angegriffen und die Nerven sehr erregt, so (...) muß [man] schlafen." Nun erfolgt ein Rückgriff auf bewährte Hausmittel: "Man bedecke die Augen mit gehacktem rohem Fleisch oder geriebener, in Milch aufgeweichter, Semmel und gebe sich dann der Ruhe hin (...)".

Gehacktes aufs Auge. Das kann nur ein Preuße empfehlen. Die bekommen bis heute beim Fleischer nur ungewürztes Hackfleisch. Thüringer Gehacktes verfeinert mit Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Majoran bringt wohl keine aufbauende Augenpflege mit Anti-Müdigkeit-Effekt.

Zur Reinigung der Bettwäsche nach Benutzung mit Hackfleisch oder Semmel-Milch-Brei auf den Augen. Dazu gibt es keine Tipps.

Das wirklich letzte Mittel gegen Erschöpfung nach der Brandbekämpfung lautet damals wie wohl heute auch: "In schwierigen Fällen ist Außerdiensttreten und ärztliche Behandlung notwendig."

Michael Zeng

Wie immer vielen Dank an alle, die bei der Archivalie des Monats geholfen haben, besonders der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Landratsamt, Thomas Knittel, dem Fachdienst Zentrale Dienste, dem Fachdienst Informationstechnik und natürlich Volker Mock vom Bürgerservice, dem Webmaster der Internetpräsenz des Landratsamtes.

Ein besonderer Dank gilt auch Helmut Groß. Er ist ein treuer Benutzer des Kreisarchivs und hat uns auf die aktuelle Archivalie des Monats hingewiesen.

Rezept für Tartarbeefsteak

Gemeint ist wohl ein Gemisch aus Rinderhackfleisch (Tatar) und Gewürzen mit rohem Ei.

Nach Energiebringer klingt folgendes Rezept:

Zutaten:

  • dreihundert Gramm Rinderhackfleisch, am Besten selbst hergestellt aus fettarmen Muskelfleisch ohne Sehnen

  • ein Esslöffel klein gehackte abgetropfte Kapern,

  • zwei kleine Zwiebeln, klein gehackt,

  • zwei Esslöffel Petersilie, fein gehackt,

  • ein Esslöffel Olivenöl,

  • eine kleine Gewürzgurke, zerkleinert,

  • drei Spritzer Tabasco oder Chili-Soße oder Senf oder Worcestersoße

  • ein halber Esslöffel Salz,

  • zwei mittelgroße Eigelb.

  • reichlich Pfeffer nach Geschmack,

Zubereitung:

Außer dem Eigelb werden alle Zutaten in einer Schüssel vermischt, am Besten mit einer Gabel. Der Mix wird nun auf zwei Teller verteilt und dort zu Kegeln geformt. Die Spitzen der beiden Kegel werden eingedrückt. In die Dellen wird je ein Eigelb gegeben.

Heute werden als Beilage Pommes frites empfohlen. Was die preußischen Floriansjünger 1891 zum Tartarbeefsteak aßen, ist nicht überliefert.

Bemerkung

Ob es in Deutschland 1891, zurzeit der Empfehlung, bereits Kapern und Olivenöl zu kaufen gab, müsste recherchiert werden. Das Original-Rezept für Tatar stammt allerdings aus Frankreich. Dort gab es bestimmt schon lange vorher diese Nahrungsmittel. Kapern sind bereits in der frühen Bronzezeit nachgewiesen. Olivenöl verfeinerte schon 4000 vor Christus die Küche des Alten Orients.

Statt Tabasco oder Chili-Soße verwendeten die erwähnten preußischen Feuerwehrleute möglicherweise Senf oder Worcestershiresauce, die bereits seit 1837 verkauft wurde. Nur Soße, die im englischen Worcestershire hergestellt wird, darf nach der Grafschaft im Zentrum Englands benannt werden. Die bekannte Speise-Würze aus Dresden fürs DDR-Würzfleisch heißt "nur" Worcestersauce.

Die älteste Beschreibung von Tatar als Speise stammt von 1851 und steht im Kochbuch "Gastrosophie" von Friedrich Christian Eugen Baron von Vaerst. Dieses Rezept konnte leider nicht gefunden werden. Die Bezeichnung Tatar kommt von Tataren, einem asiatischen Reitervolk. Angeblich sollen die Tataren rohes Fleisch zwischen Sattel und Pferd mürbe geritten haben, um das Ergebnis dieser Prozedur leicht essen zu können. Das scheint aber nur ein abwertendes Klischee zu sein.

Wenn Tatar 1891 für Feuerwehrleute empfohlen wird, dann ist das die Empfehlung eines relativ modernen Gerichts. Das entspräche heute einer Empfehlung von Pommes, Hamburger und Cola.

Guten Appetit wünscht

Michael Zeng

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