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NOVEMBER 2012 - Von echtem Schrot und Korn

Vor uns liegt eine klassische Urkunde, ausgestellt in Dresden am 16. November 1592, also vor 420 Jahren. Entfaltet misst das Schriftstück 40 Zentimeter in der Breite und 46 Zentimeter in der Länge. Der deutsche Text wurde auf hochwertigem Papier gedruckt und ist heute noch verständlich. Ein rotes Lacksiegel beglaubigt die Urkunde. Sie gehört zu den ältesten Aktenstücken des Kreisarchivs.

Ausgestellt hat die Urkunde Herzog „Friedrich Wilhelm Herzog zu Sachsen, Vormundt und der Chur Sachsen Administrator und Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meißen“.

monat november 2012Mit der Urkunde verbietet Friedrich Wilhelm die Herstellung und Verbreitung von Münzen mit zu niedrigem Gehalt von Edelmetall. Zur Zeit der Urkunde gab es in Deutschland noch kein Papiergeld. Echte Münzen hatten ein bestimmtes Gewicht und einen vorgeschriebenen Gehalt an Gold oder Silber. Staatlich vorgeschrieben war der sogenannte Münzfuß, die Menge Gold oder Silber die in einer bestimmten Anzahl Münzen enthalten sein musste.

Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wurde 1566 der Neun-Taler-Fuß eingeführt. Dieser legte fest, dass aus 233,8123 Gramm reinem Silber neun Reichstaler geprägt werden sollten. Dabei musste der Silberanteil 889 zu 1000 betragen. Der Reichstaler war die Leitwährung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das amerikanische Wort „Dollar“ entstand übrigens aus dem Wort „Taler“. Der Taler ist also bis heute eine Leitwährung geblieben.

Ausländische Münzen, etwa aus den Niederlanden, wurden nach ihrem Materialwert zum Reichstaler ins Verhältnis gesetzt. Hier gab es Angriffsfläche für Fälscher und Betrüger. Diese fälschten ausländische Münzen oder Kleingeld und tauschten dieses gegen echte Reichstaler ein. Auf dem Markt machte sich niemand die Mühe, den Gold- und Silbergehalt von Kleingeld zu überprüfen. Theoretisch war eine solche Prüfung möglich. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus entdeckte Archimedes das spezifische Verhältnis von Masse und Volumen. Gefälscht wurden überwiegend Kleingeld-Münzen wie Kreutzer, Groschen und Pfennige. Für neunzig Kreuzter bekam man einen Reichstaler.

Herzog Friedrich Wilhelm I. beschreibt das in seiner Urkunde wie folgt: „So ergibt sich doch die erfahrung, das ermeldt Müntz Edikt nicht allein nicht gehalten, sondern das durch etzliche vorteihafftige, betriegliche kauff- und andere leute, je lenger je mehr, solche geringe verbotene halbe Patzen, Creutzer, drey Creutzer, Groschen, und andere Sorten, in diesem Lande hauffenweise geschoben ober ihren rechten werth ausgegeben, und dargegen die gute grobe, am Schrot, Korn und Halt, richtige Müntzen, in großer anzahl auffgewechselt, vorführet in Tiegel geworffen, geringe verbotene Müntz daraus gemacht, auch sonst allerley hochschedliche, wucherliche unchristliche Partierung getrieben werden.“

Der Herzog fordert, nur die „am Schrot, Korn und [Ge]halt richtige Münze“ zu verwenden. Schrot und Korn im Zusammenhang mit Münzen? Schrot und Korn sind auch Begriffe in der Münzkunde. Schrot bezeichnet das Gesamtgewicht einer edelmetallhaltigen Münze. Korn nennt das Gewicht des Anteils an reinem Gold oder Silber einer Münze.

In der Urkunde Friedrich Wilhelm heißt es weiter: „ (…) Weil wir auch bey etlichen Leuten den öffentlichen Betrug finden, das sie solche lose Müntz, ohne schew und furcht der Straff, zu verachtung der Röm[ischen] Kay[serlichen] May[estät] u[nd] authoritet und eludierung [Täuschung] aller heilsamen Ordnung und Befehlich, ungeschweret und vorsetzlich, mit grosser Anzahl einschieben, welche sie hernach selbst nicht wieder nemen wollen, eines theiles sich auch des vorteilhafftigen granalierens [schmelzen], beschneidens, und vorfelschunge der guten Muntz, befleissigen. So seind wir bedacht, [die geltenden Vorschriften] zu [ver]scherfen und (…) ernstlich zu halten, damit solche fürsetzliche öffentliche Vorechter [Verbrecher] und Landbetrieger nach gelegenheit und befindung ihres betrugs und vorbrechung ohne ansehen der Person am Leibe und Gutte gestrafft werden solln.“

Eine Leibstrafe für Falschmünzerei war im Mittelalter das Eintauchen des Verurteilten in kochendes Öl. Ob das 1592 noch so war, müsste recherchiert werden. Das Mittelalter endet nach Auffassung der Historiker um 1500. Warum? Damit hat auch unserer Urkunde zu tun. Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, machte er den Weg frei für die Ausbeutung der amerikanischen Vorkommen an Silber und Gold. Das Gold der Inka und Azteken sowie das Silber aus den Bergwerken wurde in Europa zu Münzen verarbeitet. Damit gab es in Europa erstmalig so viele Münzen, dass allmählich der Handel von Ware gegen Ware umgestellt werden konnte auf Geld gegen Ware. Dieser Wandel läuft zur Zeit unserer Urkunde auf Hochtouren. Hier beginnt eine Entwicklung, die bis zu unserer heutigen Finanzmarktkrise führt und wer weiß, wohin noch.

Archiviert wurde die Urkunde in der Stadt Schlotheim. Mit der Übernahme der Bestände des Archivs der Seilerstadt gelangte die Urkunde ins Kreisarchiv. Hier findet sich die Urkunde unter der Signatur Schlotheim 607.

Jedem Historiker leuchten die Augen, erfährt er von einer historischen Urkunde. Warum? Über eine Urkunde spricht die Vergangenheit direkt zu uns. Das Ereignis, das beurkundet wird, ist eine ungefilterte Information über eben dieses Ereignis. Was beurkundet ist, ist verbürgt, durch Zeugen bestätigt. Sofern die Urkunde echt ist, natürlich.

Informationen aus alten Chroniken, Berichten oder gar Sagen sind meist nicht bezeugt. Behauptet ein Chronist, seine Stadt wurde vor 500 Jahre gegründet, dann kann der Leser das glauben oder nicht. Ein Zeitzeuge wird auch schwer zu finden sein. Erst wenn die Gründungsurkunde der Stadt gefunden wird, dann wissen wir den genauen Zeitpunkt des Rechtsaktes der Gründung. Eine Urkunde bestätigt einen aktuell vollzogenen Rechtsakt. Eine Urkunde ist also eine Gedankenerklärung, die einen bestimmten Tatbestand oder Sachverhalt fixiert und zumeist auch ihren Aussteller erkennen lässt. Das deutsche Wort Urkunde kommt vom althochdeutschen „urchundi“, was Erkenntnis bedeutet.

Neben dem Datum einer juristischen oder staatlichen Handlung erzählt uns eine Urkunde noch viel mehr. Eine Urkunde gibt an, wo sich der Aussteller aufhielt, als der beurkundete und welche Zeugen anwesend waren. Daneben wird in einer Urkunde beschrieben, worum es überhaupt geht. Berichtet wird im Text die Vorgeschichte der Urkunde, über den Rechtsakt selbst sowie über die gewünschten oder geforderten Konsequenzen der Beurkundung, zum Beispiel die angedrohte Strafe für Nichteinhaltung der Forderung. Diese Einteilung finden wir heute noch in gut ausgeführten amtlichen Schreiben.

Gerade für die Erforschung des Mittelalters sind die Informationen einer Urkunde oft die einzigen Quellen über oben beschriebene Aussagen zu einem Ereignis. Wo sich zum Beispiel Könige wann aufhielten, das wissen wir oft nur aus den Ausstellungsorten der Urkunden dieser Könige. Im Mittelalter gab es keine Zeitung, kaum authentische Chroniken, keine Akten-Vorgänge, nur wenige Rechnungen. Fast ausschließlich aus Urkunden können Ereignisse aus dem Mittelalter rekonstruiert werden. Dazu kam: Der Beschreibstoff im Mittelalter war Pergament, also aufwendig bearbeitete Kalbshaut. Das war teuer. Auf so was wurde nur ganz besonderes vermerkt.

Die große und die kleine Politik lief jahrhundertelang über das Ausstellen von Urkunden. Bis in unsere Gegenwart reicht der Einfluss dieser historischen Wirklichkeit. Wir kennen das Wort Diplomatie für die Staatskunst, also das Verhandeln zwischen Staaten. Das Wort Diplomatie kommt vom lateinisch-mittelalterlichem Wort „diplom“. Das deutsche Wort für Diplom lautet „Urkunde“.

Auch unser anscheinend moderner Begriff „Datum“, stammt aus der lateinischen Sprache der Urkunden. Wörtlich heißt „datum“ auf Deutsch „gegeben“. Die direkte Übersetzung finden wir auf der erwähnten Urkunde von Friedrich Wilhelm. im letzten Satz: „Und [ge]geben zu Dreßden, den 15. Novembris, Anno 1592“

Zurück zu unserer Urkunde im Kreisarchiv. Die Urkunde des sächsischen Herzogs Friedrich Wilhelm I. von 1592 hat auch einen direkten Bezug zur staatlichen Geschichte des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation sowie einen regionalgeschichtlichen Aspekt.

Herzog Friedrich Wilhelm I. beurkundet als Vormundt und der „Chur Sachsen Administrator“ und Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meißen. Eigentlich war er „nur“ Herzog von Sachsen-Weimar. Von 1592 bis 1601 übte er jedoch die Regentschaft aus für den noch minderjährigen Kurfürsten Christian II. von Sachsen. Heute würden wir sagen, Herzog Friedrich Wilhelm beurkundete als amtierender Kurfürst von Sachsen. Ein Kurfürst war einer der sieben Fürsten, die in Spätmittelalter und früher Neuzeit den deutschen König oder Kaiser wählten.

Als amtierender Kurfürst von Sachsen war Herzog Friedrich Wilhelm I. auch der führende Fürst des Obersächsischen Reichskreises. Die Reichskreise bestanden von Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation 1806. Der Obersächsische Reichskreis umfasste vierunddreißig weltliche oder kirchliche Herrschaften in Mittel- und Nordostdeutschland. Darunter befand sich auch das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, wozu zur Zeit der Urkunde auch Schlotheim gehörte. Die Territorialherren der Reichskreise koordinierten auf Kreistagen die Umsetzung der Beschlüsse der Reichstage. Dazu gehörte auch das Stellen von Truppen für den Kaiser. Unter anderem besaßen die Reichskreise auch Kompetenzen im Münzwesen. Deshalb erreichte die behandelte Urkunde Schlotheim und damit unser Kreisarchiv.

Michael Zeng

Wie immer vielen Dank an alle, die Korrektur gelesen haben und mir wertvolle Hinweise gaben. Besonders danke ich wieder Volker Mock vom Bürgerservice, der Text und Foto auf die Webseite gebracht hat.

B I T T E   B E A C H T E N
Das Landratsamt Unstrut-Hainich-Kreis informiert, dass vom 24.12.2019 bis 01.01.2020 die Kreisverwaltung geschlossen bleibt.

Die Sprechtage des mobilen Bürgerservice am Montag, 23.12.2019 und 30.12.2019 in Schlotheim sowie am Freitag, 27.12.2019 in Bad Tennstedt entfallen.
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